Das Comeback der Alfonsina Storni

Alfonsina Storni, 1892 geboren in Sala Capriasca (Bezirk Lugano), kam mit vier Jahren nach Argentinien und lebte von 1912 bis zu ihrem Freitod 1938 in Buenos Aires. Sie ist eine der wichtigsten Künstlerinnen Argentiniens vor dem Zweiten Weltkrieg, eine der eigenwilligsten Stimmen der lateinamerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts und die berühmteste Schweizer Schriftstellerin, die in einer Nicht- Landessprache schrieb. Ihr Werk umfasst Lyrik, Erzählungen, Essays, Aphorismen, Theaterstücke für Erwachsene und für Kinder sowie autobiografische Texte.

Alfonsina Storni wurde besungen, nicht nur als Selbstmörderin. Paco Ibañez vertonte eines ihrer zauberhaftesten Gedichte (Quisiera esta tarde divina de octubre; Palau Musica in Barcelona, 2002). Seine Vision von ihr: Alfonsina Storni eine Frau, die von Ideen nur so explodierte. 

Und die weltberühmte Selbstmörderin aus dem Lied Alfonsina y el mar?

Das Lied erlebt immer wieder eine Auffrischung, hier durch Sandra Sangiao & Mattia Schirosa Das wünschen wir Alfonsinas Werk auch. Dass es neu und frisch gelesen wird. Welche Künstlerin will nicht für ihr Werk und ihr gelebtes Leben erinnert werden? «Nur Lesen kann einen neuen Zugang zu Alfonsina Storni schaffen,» sagt die Übersetzerin und Biografin Hildegard Keller. Die Edition Maulhelden macht Storni schriftstellerisches Werk erstmal in ganzer Breite auf Deutsch zugänglich. Vier Textbände begleiten Hildegard Kellers Biografie von Alfonsina Storni. 

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Frauen im Tessin

In den Siebzigerjahren konnte man in der Schweiz Alfonsina Stornis frühe Lyrik auf Deutsch kennenlernen (mehr noch nicht). Besonders, wenn man im Tessin Urlaub machte, konnte es passieren, dass man in der Bibliothek eines gediegenen Hotels auf einen Gedichtband stiess. Im Roman WAS WIR SCHEINEN passiert dies Hannah Arendt in Tegna. Dort verbringt sie ihren letzten Sommer, 1975, im Hotel arbeitet eine junge Bernerin namens Barbara, die dem Hotelgast ein Buch empfiehlt. Sie vertieft sich in Metaphern, denkt über Sprachbilder nach, auch über den Freitod und was ihr Doktorvater Karl Jaspers dazu gesagt hatte. Und dann kommt ihr Hilde in den Sinn, die viel zu früh gestorben war.