«Ultrafantasía» ist der letzte Band der ersten deutschen Werkausgabe von Alfonsina Storni. Sie ermöglicht einen neuen Blick auf das Werk der aus dem Tessin stammenden Argentinierin und hat ihre ganz eigene Geschichte.
«Ultrafantasía» ist ein erfundenes Wort. Alfonsina Storni drückt damit ihre Erfahrung als Künstlerin aus. Was sie in die Welt bringt, ist für sie selbst so natürlich wie Singen und Tanzen, für ihre Zeitgenossen aber wirkt es schräg, moralisch verwerflich und sogar bedrohlich.
«Ultrafantasía» enthält handverlesene Gedichte aus allen Schaffensphasen von Storni, auch einige der legendären Gedichte wie Tú me quieres blanco / Du willst mich rein. Die zweisprachige Auswahl von Gedichten wird ergänzt durch ein Nachwort der Herausgeberin und Übersetzerin Hildegard Keller, deren Illustrationen mit Stornis Gedichten Zwiesprache halten.
Alfonsina Storni. ULTRAFANTASÍA. Lieblingsgedichte. Handverlesen, übersetzt, illustriert und mit einem Nachwort von Hildegard E. Keller. Gebunden, durchgehend vierfarbig, mit sieben doppelseitigen Illustrationen und Lesebändchen. 256 Seiten. 29 CHF, 29 € (D), 29 € (A). ISBN: 978-3-907248-10-2
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Alfonsina Stornis Gedicht «Sapo y mar / Frosch und Meer» sprang in allerletzter Sekunde aus ULTRAFANTASÍA heraus. Ein anderes Gedicht mit Frosch blieb drin, deshalb auch diese Zeichnung, aber für dieses hier blieb kein Platz mehr. Es stammt von 1937 und wurde zu Lebzeiten der Autorin nicht veröffentlicht. Ein Frosch, dessen morgendlicher Ruf in der Ferne hörbar wird, wird zum Ausgangspunkt einer poetischen Welt- und Selbstreflexion. Das quakende Tier und das dichtende «traurige Tier» geben einander Echo. Das Gedicht zeigt ein Ich, das schon sehr frei zwischen Himmel und Erde schwebt. Es hat sich von dichterischen Formzwängen verabschiedet, bringt die Wörter aufs Papier, wie sie grad einfallen und überlässt sich ganz der Natur. Nah das Meer und auch der Frosch, der irgendwo quakt. Vor der eigenen Nase der Morgentee und dann, am Ende, die Erinnerung, dass es noch unter Menschen ist. Das war ein Jahr vor Alfonsina Stornis Freitod. Man kann das Gedicht auf der von Nick Lüthy kuratierten POESIE.XYZ nachlesen.

Wer in den Siebzigerjahren im Tessin Urlaub machte, konnte in der Hotelbibliothek auf die ersten Gedichtbände mit Alfonsina Stornis Lyrik stossen: Allmählich begann die Rezeption sowohl im Tessin als auch in der Deutschschweiz.
In Hildegard Kellers Roman WAS WIR SCHEINEN verbringt die Hauptfigur Hannah Arendt ihren letzten Sommer in Tegna. Barbara, eine junge Hotelangestellte empfiehlt ihr einen Gedichtband, der Gast nimmt das Büchlein mit aufs Zimmer und vertieft sich eines Abends in die Gedichte (Kapitel 19). Hannah Arendt, selbst Dichterin, liest Sonette von Alfonsina Storni, denkt über Metaphern und die Stadt Buenos Aires nach, die ihrer beider Schicksal verbindet, obwohl Storni nicht mehr lebte, als Adolf Eichmann unter falschem Namen in Buenos Aires landete. Sie erinnert sich auch an Gespräche mit Karl Jaspers über das Sterben und das Recht des Menschen, das eigene Leben zu beenden. Einige der Gedichte, die Hannah Arendt im Roman liest, sind im Band ULTRAFANTASíA enthalten.

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